Besuch Taubblindenheim | Rhönklub Zweigverein Dipperz e.V.

Besuch Taubblindenheim

            Rhönklubsenioren besuchen das Taubblindenheim

Auf dem Wanderprogramm für den April 2011 stand der Besuch des Taubblindenheimes im Hilderser Ortsteil Steinbach. In Fahrgemeinschaften machen sich 23 Rhönklubfeunde auf den Weg nach Rupsroth zum dortigen Bürgerhaus. Von dort beginnt bei frühlingshafter Witterung die Wanderung Richtung Steinbach entlang der ehemaligen Bahnstrecke, auf der heute zur Freude der Radfahrer der Milseburgradweg verläuft. In der Nähe des Ziegenhofes – landläufig als Moosthof genannt – werfen wir einen Blick auf das Basaltwerk der Firma Nüdling. Wanderführer Bernhard Weber gibt einen kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte dieses Betriebes und der Rhönbahn.

An dieser Stelle soll auch einmal darüber an Hand der Chronik der Familien Nüdling berichtet werden. Die Kurzform des Firmennamens lautet FCN und bezeichnet damit den Firmengründer Franz Carl Nüdling. Er stammte aus Liebhards und wurde dort 1859 geboren. Sein Vater war Leinwandhändler, Gastwirt und Brauereibesitzer und unterhielt eine Landwirtschaft. Die Gastwirtschaft hat er schon im Alter von 21 Jahren übernommen. Sein Vater war früh verstorben. Parallel zur Gastwirtschaft und Brauerei hatte er außerdem einen Wirtschaftsbetrieb für Bahnarbeiter, da um diese Zeit die Eisenbahnstrecke Fulda – Hilders entstand.

Ihr Bau wurde 1886 begonnen und bis zum Jahr 1889 bis Bieberstein fertig gestellt. Von der Erschließung der Rhön durch die Eisenbahn versprachen sich die Bewohner sehr viel, nämlich Verdienstmöglichkeiten durch die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe und schließlich auch durch den Fremdenverkehr sowie die Anbindung an andere Wirtschaftsräume. Nüdling hatte sehr bald die Vorteile von Eisenbahnlinien in der Rhön erkannt und blieb zunächst bei dem ihm eigenen Metier, der Gastronomie. So plante und baute er direkt an der Eisenbahn beim Bahnhof Milseburg das Hotel Milseburg, das 1892 eröffnet wurde und bekanntlich heute noch besteht. 1889 war die Bahnstrecke zwischen Bieberstein und Hilders zum Laufen gekommen. Dies war der schwierigste Abschnitt, weil der 1172 m lange Tunnel unter der Oberbernhardser Höhe errichtet werden musste.

Im Jahr 1896 erweiterte Nüdling seine Gastronomie, in dem zusätzlich die Hütte auf der Milseburg vom Rhönklub pachtete.

Durch die zunehmende industrielle Entwicklung, den Eisenbahnbau und den gestiegenen Bedarf an Verkehrswegen sah sich Nüdling bestärkt, Schottersteine zu produzieren. So heuerte er um das Jahr 1901 Kuh- und Pferdegespanne, die von den steinreichen Huten in der Gegend von Rupsroth zur Eisenbahnstrecke gefahren und dort von Hand zu Schotter zerkleinert in Waggons verladen wurden. Wenige Jahre später kaufte er von der Gemeinde Rupsroth ein Grundstück am Kesselkopf zur Anlage eines Steinbruches. Dies waren die Anfänge der Firma Nüdling, die heute über mehrere Steinbrüche und Betonwerke verfügt und in der 4. Generation geführt wird, deren Gründer Gastronom und Steinbruchsbesitzer war. Der Firmensitz befindet sich in Fulda in der Ruprechtstraße

1986 wurde die Bahnstrecke nach nahezu 100 Jahren still gelegt.

Der Wanderweg geht jetzt Richtung Steinbach durch das idyllisch gelegene Wochenendhausgebiet, wo sich auch das Taubblindeheim befindet. Im Dritten Reich war in diesem Bereich ein Arbeitsdienstlager.

Wir werden von der Heimleiterin, Frau Göbel, herzlich begrüßt, die uns über die Besonderheit, die Größe und Ausstattung des Hauses eindrucksvoll berichtet und durch die Einrichtung führt. Das Heim, welches den Namen Herbert Nellesen trägt, wurde 1971 als Wohnheim für Menschen mit einer Sinnesbehinderung (taub und/oder blind) eingeweiht. Träger ist die Caritas. Seit 1995 ist es daneben auch eine sogenannte allgemeine Pflegeeinrichtung. Das Haus bietet 36 Personen in jeweils einem Einzelzimmer Platz. Die Nutzung der Gemeinschaftsräume, wie Speiseraum, Aufenthaltsraum, Kapelle usw. sollen den Senioren eine unbeschwerte Lebensqualität garantieren. Wie wir feststellen können, ist die Einrichtung kontrastreich gestaltet. Dies gilt besonders für die Handläufe und Türen, die mit abtastbaren  Zimmernummern und abtastbaren Pfeilen auf den Handläufen im Park zu finden sind. Dadurch kann sich jeder sicher und selbständig im Haus und Garten bewegen. Es gibt z. B. spezielle Gesellschaftsspiele in Blindenausführung, Bücher in Blindenschrift. Alle Mitarbeiter verfügen über Kenntnisse in der Gebärdensprache. Ferner beherrschen sie das Tastalphabet „Lormen“. In der Vorführung können wir ermessen, welche besondere Betreuung den Bewohnern in diesem besonderen Haus zu Teil wird. Zum Schluss versammeln wir uns in der Kapelle, in der ein Heimbewohner zufällig dazu kommt und das „Großer Gott wir loben Dich“ anstimmt, in das wir gemeinsam mit einstimmen.

Der Besuch war ein beeindruckendes Erlebnis und erfüllte jeden mit einer besonderen Dankbarkeit.

Auf dem Rückweg nach Rupsroth erfolgt noch ein kurzer Besuch bei der dortigen Grotte.

In den Milseburgstuben in Danzwiesen erwarten uns verschiedene Sorten Kuchen mit dem dazu passenden Getränk.

Die Bilder zeigen den Altarraum der Kapelle und die Gruppe mit der Heimleiterin und einem Bewohner

Text und Fotos: Bernhard Weber