Stadtpfarrkirche Fulda | Rhönklub Zweigverein Dipperz e.V.

Stadtpfarrkirche Fulda

               In den Türmen der Stadtpfarrkirche von Fulda

Im Mittelpunkt der Seniorenwanderung im November 2012 stand die Besteigung und Besichtigung der Türme der Stadtpfarrkirche von Fulda. Eine stattliche Anzahl von 28 Teilnehmern interessierte sich für die Führung des Kirchenteils, der allgemein nicht zugänglich ist.

Waldemar Eckert führte die Gruppe anschaulich erläuternd auf endlosen Stiegen bis hinauf auf die Außenplattform, von der aus sich ein herrlicher Rundblick über die Dächer der Stadt und die Umgebung Richtung Rhön und Vogelsberg bot. Der Eingang ist im Nordturm links seitlich des Haupteingangs gelegen, von dem es erstaunlicher Weise zunächst einige Stufen hinunter geht, wo die Löschwasserversorgungsleitung sich befindet.

Etwas zur Kirchbaugeschichte: Der heutige Bau wurde von 1771 bis 1786 im spät barocken Stil erbaut, der sich in seiner Schlichtheit deutlich vom süddeutschen Barock abhebt. An der gleichen Stelle wurde im 10. Jahrhundert im Dorf die erste Kirche errichtet, das in der Nachbarschaft des Klosters – dem heutigen Dombezirk – entstanden war. 1103 wurden Kirche und Ort von einer im Mittelalter heftigen Brandkatastrophe getroffen. In  dem folgenden Jahr entstand ein Um- oder Neubau der Kirche im romanischen Stil. 1477 wurde mit dem Bau einer neuen Kirche im gotischen Stil begonnen, deren Westturm bis heute erhalten ist und dem im unteren Teil eine Barockfasse vorgesetzt wurde. Beeindruckend ist darin das mächtige Glockengeläut – bestehend aus 6 Glocken – die an einem gewaltigen Stahlträgergerüst hängen. Die kleinste Glocke, die sog. Ave- oder Verirrtenglocke, stammt noch aus dem 14. Jahrhundert. Die größte ist die mächtige Erlöserglocke mit einem Gewicht von 4.600 kg.

In dem aus der Barockzeit stammenden Südturm war es besonders interessant, die ehemalige und restaurierte Türmerwohnung, die sich über 2 Etagen erstreckte, zu besichtigen. Die Wohnung war noch bis 1954 von der Enkelin des letzten Türmers Josef Schäfer bewohnt. Dessen Hauptaufgabe bestand darin, die Bevölkerung vor Gefahren, z.B. Bränden, zu warnen sowie der regelmäßige Küsterdienst. Er war Bediensteter der Stadt. Weil das Einkommen aus diesen Tätigkeiten zu gering war, übte er noch das Schusterhandwerk aus. Seine dafür benötigten Werkzeuge sind neben noch einzelnen Wohnungsgegenständen ausgestellt. Zu seiner Großfamilie gehörten 10 Kinder sowie die Oma und eine Tante. Sie alle hatten ihre Behausung in luftiger Höhe über den Dächern der Stadt, das seine Eigenheit besaß  und einer besonderen Organisation für den Tagesablauf bedurfte.

Für alle war es ein nicht alltägliches Erlebnis und dürfte bei einem Besuch der Stadt und einem Anblick der Türme vielleicht das eine oder andere mal eine Erinnerung daran wecken.

 

Text und Fotos: Bernhard Weber